Welcher Plastikbausatz passt zu mir?
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Von
David Klaas (My Plastic Projects)
Die Begeisterung für Technik beginnt schon sehr früh. Als Kind kommt man schnell zum Staunen und hat genauso schnell den WOW Effekt, sobald man mal einen Hubschrauber, ein Flugzeug oder vielleicht auch mal ein militärisches Fahr- oder Flugzeug sieht.
Bei mir begann alles mit dem Computerspiel: Comanche Gold
Früher oder später findet man diesen WOW Effekt in Plastik in kleinen Einzelteilen in einer kleinen Box oder doch lieber in groß?
Der Bereich Maßstabsmodellbau oder eher bekannt als Plastikmodellbau (Scale Modeling auf Englisch) wird, wie der Name es schon verrät, in Maßstäben gemessen. Stöbert man im Modellbau nach seinen Liebelingsfahr- oder Flugzeugen, findet man diese Bezeichnungen: 1:72, 1:48, 1:24, 1:35 und noch weitere.
Maßstäbe verstehen
Als Beispiel nehmen wir den US Kampfjet F-16 Fighting Falcon in dem Maßstab 1:48 (1 zu 48)
Das Original ist circa 15 Meter lang. In der Zahlenkombination ist diese Länge die „1“ an der ersten Stelle. Die „48“ gibt an, dass die F-16, 48 mal kleiner ist, als das Original, also circa 31 cm. Diese Zahlenkombination gibt also an, wie groß der Nachbau im Vergleich zum Original ist. Schau dir einmal in einem Auto einen Knopf oder Schalter an und verkleinere diesen ebenfalls 48 mal. Ziemlich klein oder? Nun stell dir diesen Knopf an einem Modell im Cockpit vor und das in mehrfacher Ausführung.
Möchtest du also dein erstes Modell aussuchen sind ein paar Faktoren zu beachten:
- Kleinere Maßstäbe wie 1:72 verfügen über dezentere
oder nur angedeutete Details und haben auch daher
manchmal weniger Teile und/ oder Baustufen - Größere Maßstäbe wie 1:48 oder 1:35 haben in der
Regel mehr Teile und zeigen auch mehr Details (abhängig von
Modelltypen, z.B. Flugzeug oder Panzer) - Mehr Details, egal welcher Maßstab, bedeuten demnach
mehr Arbeit, Genauigkeit und manchmal auch mehr Geduld.
Wichtig ist aber:
Größer heißt nicht automatisch leichter! Ein größeres Modell und die Bauteile können zwar angenehmer zu halten sein, zeigt aber oft auch viel mehr Feinheiten, die sauber gebaut, bemalt und teilweise nachbearbeitet werden wollen. Gerade als Anfänger kann das schnell anspruchsvoller werden, als man am Anfang denkt. Baue ich also als erstes ein Flugzeug mit Propeller oder einen Jet oder vielleicht doch einen Panzer?
Ein Beispiel aus der Praxis
Du entscheidest dich z.B. für ein Flugzeug. Zum Vergleich stehen die in Focke Wulf FW 190 A-3 und die F-16 CJFighting Falcon in 1:72. Sowie die US Rep. P-47D Thunderbolt Bubbletop und die US Vought F4U-1A Corsair in 1:48.
Vergleichen wir zunächst den Inhalt der Boxen und die Summe der Bauschritte:
- Die FW 190 hat drei Spritzlinge/ Gussäste, mit insgesamt 40 Teilen, wovon einer Klarteile bzw. die Cockpitscheibe enthält. Ein Decalbogen, zwei Kappen, damit sich der Propeller drehen lässt und die Anleitung.
- Die F-16 hat sieben Spritzlinge, mit insgesamt 114 Teilen, wovon einer die Klarteile enthält. Ein großer Decalbogen und die Anleitung.
- Die P-47 hat 6 Spritzlinge, mit mehr als 126 Teilen, wovon einer die Klarteile enthält. Ein großer Decalbogen, zwei Kappen für den Propeller und die Anleitung.
- Die Corsair hat 5 Spritzlinge, mit 126 Teilen, wovon einer die Klarteile enthält. Ein kleinerer Decalbogen, zwei Kappen für den Propeller und die Anleitung.
- Während die FW 190 mit 10 Baustufen, bzw. 2 weitere mit Decal- und Lackierstufen fertig ist, benötigt man für die F-16 23 Baustufen plus 2 Decal- und Lackierstufen.
- Die P-47 hat 15 Baustufen und ebenfalls 2 mit Decal- und Lackierstufen. Die Corsair hat hingegen 13 Baustufen plus eine Decal- und Lackierstufe. Wenn wir uns nun alleine anschauen, dass das Cockpit der FW 190 mit 6 Teilen fertig ist, benötigt man schon bei der P-47 12 Teile.
Schauen wir uns die Decalbögen bzw. “Aufkleber” an:
Die FW 190 ist mit 46 Decals sehr überschaubar und beschränkt sich eher auf die größeren Bilder.
Bei der F-16 im selben Maßstab kommt man je nach Variante auf knapp über 100 Decals!
Die P-47 zählt stolze 153 Decals (kann je nach Variante des Modells nochmal variieren). Von größeren Dekors wie den Sternen an der Seite, bis zu winzigen Beschriftungen für sämtliche Luken, Klappen usw. ist alles dabei.
Die Corsair hat hingegen nur 44 Decals, das sind sogar zwei weniger als bei der kleineren FW 190!
Bedeutet also, gleiche Maßstäbe haben nicht immer die gleichen Bedingungen, was den Unterschied zu Geduld und Genauigkeit ausmacht. Dies benötigst du, um ein sauberes Ergebnis bei deinen Projekten zu erzielen.
Welcher Maßstab passt zu mir?
Wenn du ganz am Anfang stehst, empfehle ich dir folgendes:
• Wähle ein Modell, das dich grundsätzlich wirklich begeistert. Mach aber ggf. Abstriche, wenn dir dein Lieblingsflugzeug erstmal zu aufwändig erscheint
• Starte möglichst mit einem überschaubaren Bausatz.
• Greife daher eher zu 1:72 oder zu einem einfachen 1:48 Bausatz.
• Vermeide für das erste Modell zu komplexe Projekte mit extrem vielen Kleinteilen oder aufwendigen Decals/Bemalungen
• und das wichtigste, erwarte nicht direkt ein Profi-Ergebnis! Gerade dieser letzte Punkt ist besonders wichtig.
Meine Lektionen für dich!
Eine meiner wichtigsten Lektionen seit Beginn in 2022, die jeder kennenlernt. Das was du von Profis als fertiges Ergebnis siehst, wird beim aller ersten Mal sehr wahrscheinlich nicht so aussehen, wie du es dir erhoffst! Möglicherweise wird es voller Klebereste, Lackierfehler und anderen kleiner Fehler sein.
Lass dich inspirieren – aber setz dich nicht unter Druck!
Lass dich gerne durch YouTube, Instagram z.B. bei mir auf MyPlastic Projects oder anderen Kanälen oder auch mal auf einer Messe wie der Intermodellbau und der Faszination Modellbau inspirieren, um einen Eindruck davon zu bekommen, was alles möglich ist.
Aber wichtig ist, vergleiche dich nicht daran, was du bei andren siehst! Gerade, wenn du dein erstes Modell schon gebaut hast oder noch am bauen bist und eigene Fehler entdeckst, ist es vielleicht schnell frustrierend. Das muss es aber nicht. Sogar ganz im Gegenteil! Tausche dich mit anderen aus, lerne dazu und probiere aus!
Schaue dich doch einfach mal hier im Shop um und such dir dein erstes Modell aus. Ganz egal ob Auto, Flugzeug oder Panzer.
Ich zeige dir, wie du den Einstieg findest um nach und nach deinen WOW Effekt in deiner Vitrine bestaunen kannst. Ich werde mit einer Corsair beginnen.
Ein überschaubarer 1:48 Bausatz mit einer nicht all zu schwieriger Bemalung und überschaubarerer Anzahl an Decals. Nur lasse ich die Figur weg. Denn das ist nochmal eine ganz andere Welt und ich habe selbst hier noch einiges zu lernen. Ich zeige wie du “out of the box” bauen kannst. Also das, was an Teilen in der Box enthalten ist aber auch später mit einer weiteren Corsair, wie du mit sogenanntem “Scratch build” weitere Details zu einem Modell hinzufügen kannst.